Schillerjahr ´09 - Exhumierung eines Klassikers

“Der Mensch ist nur da ganz Mensch, wo er spielt!”
Schiller für Schüler, mit den “Schillerikern” sind die “richtigen” Schauspieler beieinander. Sie anzuleiten und interagieren zu sehen, macht Freude und bedeutet Selbstverwirklichung. Freiheit im besten Sinn.

"Mach's noch einmal, Duc!"

“Mach's noch einmal, Duc!”

Improvisation zum Warm up – die Sound-Lokomotive

Duc Lu Minh überrascht mit außerordentlicher Präsenz.

DIE RÄUBER - eine Schiller-Collage

Theaterstück mit krimineller (Schiller-)energie
Text: Friedrich Schiller…………………und JJ
Regie: anhaltend energisch

Als Patrick richtet Kredithai Franz Moor (Johannes Fischer – “Ich will die verdammte Anerkennung!”) seine Waffe nicht nur auf Christinas aka Amalias (Carolina Rauh) Herz. Eine Bande wildgewordener Schul-Räuber sucht verzweifelt Freiheit und Selbstbestimmung nach allen Regeln der Kunst Schillers. Yes, we can too!

“…und der Pfad der Gerechten ist zu beiden Seiten gesäumt von Freveleien der Selbstsüchtigen und der Tyrannei erziehender Lehrer…” Hezekiel 2009

Schilleriker_Probe 4

Schilleriker_Probe 4

Schilleriker_Probe 3

Schilleriker_Probe 3

Schilleriker_Probe 5

Schilleriker_Probe 5

Schilleriker_Probe 7

Schilleriker_Probe 7

Friedrich Schiller und das 21. Jahrhundert
“Würde man Friedrich Schiller, geboren 1759 in Marbach am Neckar, nach 200 Jahren Tiefschlaf in der Weimarer Fürs­tengruft wachrütteln und im Alltag des frühen 21. Jahrhunderts aussetzen — er wäre uns ein selt­samer Zeitgenosse. Jugendliche würden ihn wahrscheinlich peinlich finden und gelassen abwinken, wenn er über­schwänglich seine Gefühle zeigte.
Was soll man schon sagen, wenn Banknachbar Schiller einem einen Zettel rüberschiebt, auf dem steht: »Ich habe noch Mark für Jahrhunderte in den Knochen.«? Schillers Energie und sein Wissensdurst würden vielen auf die Ner­ven gehen, und ihm dagegen ihre Gleichgültigkeit und ihr Desinteresse. Soft skills, wie Schillers Talent zur Freund­schaft heute ganz sachlich genannt wird, hatte er reichlich, doch müsste er seine offene und überschäumende Art schnell ablegen und sich eine coole Fassade zulegen. Helfen würde ihm dabei, dass er im Grunde schüchtern war.
Als junger Mensch wurde er von heftigen Selbstzweifeln geplagt: »Schon 23 und noch nichts für die Unsterblichkeit getan!« Höchst sonderbar wäre es für Studenten und Pro­fessoren heute, wenn Schiller flehte: »Nehmen Sie mich so, wie ich hätte werden können, wäre mir ein glückliche­rer Anfang beschert gewesen«, aber »durch die wahnsinnige Methode meiner Erziehung und die Misslaune meines Schicksals bin ich« schwer benachteiligt worden. Wahr­scheinlich würde der Professor dem sensiblen jungen Mann schnell einen Termin für die nächste Sprechstunde verpassen…

Illustration: Peter Schössow

Großes Staunen würde es heute auch hervorrufen, wenn er als Dozent, so vehement und erfolgreich wie damals in Jena, bei heutigen Studenten Begeisterung für die Wahrheit, Lust am Denken und Enthusiasmus zur Verbesserung der Welt wecken wollte: »Ein edles Verlangen muß in uns entglühen, zum reichen Vermächtnis von Wahrheit, Sittlichkeit und Freiheit, das wir von der Vorwelt übernahmen und reich vermehrt an die Folgewelt wieder abgeben müssen.« So endete seine erste Vorlesung im Jahre 1789. Schiller ging immer von der unbegrenzten Bildbarkeit jedes Menschen aus und von der Pflicht zur Selbstvervollkommnung. Sie sollte nicht besseren Chancen auf dem Arbeitsmarkt dienen, sondern als Abenteuer des Subjekts, als Lust am klugen Selbstentwurf und als Verantwortung für die Gesellschaft und ihre Nachkommen verstanden werden. Und da würden ihn heute vermutlich nur wenige begreifen. Wenn er dann noch auf den großen Fragen beharrte, als Dichter auf dem gewählten Ton bestünde, nicht einfach so Ernstes und Un­terhaltsames mischen wollte, dann wäre er fast ein hoff­nungsloser Fall. Aber mit Sicherheit fände er wieder einen gleich gesinnten Kollegen, so wie damals den Geheimrat Goethe, mit dem er die Szene aufmischen und neue Impul­se setzen könnte.”

*MÖGLICHST SCHILLER: Ein Lesebuch (DTV / Hanser Reihe) von Christiana Engelmann, Claudia Kaiser

Jeder gibt den Wert sich selbst.