Programm Ästhetischer Bildung - ein Ansatz

Aus dem Vorwort zur „Ästhetischen Erziehung des Menschen“: …Schiller bringt es auf den zentralen Punkt in seinem gedanklich-philosophischen Hauptwerk: „Erkühne dich, weise zu sein“
„Konfliktlösung, Schicksalsgestaltung, Beziehungskrisen als Herausforderung für den nach freier Selbstbestimmung ringenden Menschen sind Themen, die mit einem anderen Vokabular wiederum seit den siebziger Jahren des vorigen Jahrhunderts bis heute mancherorts ganz praxisbezogen vertreten werden.
In dem Weltbestseller des Amerikaners Daniel Colemans DIE EMOTIONALE INTELLIGENZ wird auf die volkswirtschaftliche Konsequenz hingewiesen, die beherrschter oder unbeherrschter Umgang mit den eigenen Emotionen nach sich ziehen kann; Selbsterziehung also als volkswirtschaftlicher Wert. Umgekehrt: Milliardenverluste entstehen durch unbeherrschtes gewalttätiges und brutales Verhalten. So komme der emotionalen Erziehung heute eine existentielle Bedeutung zu und müsse daher ihren gebührenden Platz an Schulen und in der Gesellschaft finden. Das ist nichts anderes als Schillers ästhetische Erziehung zur inneren Freiheit.“
Heinz Zimmermann *1937 Basel (Schweiz); Studium der Germanistik, Geschichte und Altphilologie in Basel. 1964 Promotion und Lehrauftrag am deutschen Seminar der Basler Uni. 1968-88 Oberstufenlehrer für Deutsch, Latein, Geschichte und Religion. Kurs- und Vortragstätigkeit. seit 1982 Leiter des Goetheaneum. 1992-1999 Leitung der Sektion für das Geistesstreben der Jugend ebenda. Zahlreiche Publikationen.
Schiller als Erziehungswissenschaftler
(Aus dem 8. „Ästhetischen Brief“)
„Nicht genug also, daß alle Aufklärung des Verstandes nur
insoferne Achtung verdient, als sie auf den Charakter
zurückfließt; sie geht auch gewissermaßen vom
Charakter aus, weil der Weg zum Kopf durch das Herz muß
geöffnet werden. Ausbildung des Empfindungsvermögens
ist also das dringendere Bedürfnis der Zeit, nicht bloß weil
sie ein Mittel wird, die verbesserte Einsicht für das Leben
wirksam zu machen, sondern selbst darum,
weil sie zu Verbesserung der Einsicht erweckt.“
“Nur der spielende Mensch ist frei”, sagte Friedrich Schiller. Leider kannte der nicht den Wandel seines Spielbegriffs. Wandel durch Annäherung – ans „Leistungsprinzip“, so wurde aus Spiel ein T( r )ick. Konnte er nicht wissen.
(Aus dem 9. „Ästhetischen Brief“)
Schiller formuliert hier Die Bildungsaufgabe des Lehrers
“Gib also der Welt, auf die du wirkst, die Richtung zum
Guten, so wird der ruhige Rhythmus der Zeit die Entwicklung
bringen. Diese Richtung hast du ihr gegeben, wenn du,
lehrend, ihre Gedanken zum Notwendigen und Ewigen
erhebst, wenn du,
handelnd oder bildend, das Notwendige und Ewige in
einen Gegenstand ihrer Triebe_ verwandelst.
Fallen wird das Gebäude der Willkürlichkeit, fallen
muss es, es ist schon gefallen, sobald du gewiss bist,
dass es sich neigt, aber _in dem Innern, nicht bloß im
äußern Menschen_muss es sich neigen.
In der schamhaften Stille deines Gemüts erziehe die
siegende Wahrheit, stelle sie aus dir heraus in der
Schönheit, dass nicht bloß der Gedanke ihr huldige,
sondern auch der Sinn ihre Erscheinung liebend ergreife.
Und damit es dir nicht begegne,
von der Wirklichkeit das Muster zu empfangen, das du
ihr geben sollst, so wage dich nicht eher in ihre bedenkliche
Gesellschaft, bis du eines idealischen Gefolges in
deinem Herzen versichert bist.
Lebe mit deinem Jahrhundert, aber sei nicht sein
Geschöpf; _leiste deinen Zeitgenossen, aber, was sie bedürfen,
nicht, was sie loben.
_ Ohne ihre Schuld geteilt zu haben, _teile mit edler
Resignation ihre Strafen und beuge dich mit Freiheit unter
das Joch,_ das sie gleich schlecht entbehren und tragen.
Durch den standhaften Muth, mit dem du ihr Glück
verschmähest, wirst du ihnen beweisen, dass nicht deine
Feigheit sich ihren Leiden unterwirft.
_Denke sie dir, wie sie sein sollten, wenn du auf sie zu
wirken hast, aber denke sie dir, wie sie sind, wenn du für
sie zu handeln versucht wirst._ Ihren Beifall suche durch
ihre Würde, aber auf ihren Unwert berechne ihr Glück,
so wird dein eigner Adel den ihrigen aufwecken und
ihre Unwürdigkeit hier deinen Zweck nicht vernichten.
_Der Ernst deiner Grundsätze wird sie von dir scheuchen,
aber im Spiele ertragen sie sie noch; ihr Geschmack
ist keuscher als ihr Herz, und hier musst du den
scheuen Flüchtling ergreifen._ Ihre Maximen wirst du
umsonst bestürmen, ihre Taten umsonst verdammen, aber
an ihrem Müßiggange kannst du deine bildende Hand
versuchen.
_Verjage die Willkür, die Frivolität und Rohigkeiten auf
ihren Vergnügungen, so wirst du sie unvermerkt auch aus
ihren Handlungen, endlich aus ihren Gesinnungen
verbannen.
_ Wo du sie findest, umgib sie mit edlen, mit großen,
mit geistreichen Formen, schließe sie ringsum mit den
Symbolen des Vortrefflichen ein, bis der Schein
die Wirklichkeit und die Kunst die Natur überwindet.
Die Schwierigkeiten sind unvermeidlich,
seine Interessen individuell durchzusetzen. Wissen Sie sicher. Aber was sind dabei „unfaire Mittel“? Wenn das Leistungsprinzip regiert sind Statuskonflikte programmiert. Leistung kann motivieren, jedoch auch perfekt lähmen. Die Dosis macht das Gift, wußten schon die alten Griechen.
Wie weit sind Ihre eigenen Ansprüche erkennbar? Ent-deckt oder Ent- wickelt?
“Entdecke die Möglichkeiten.”, gilt bereits als geschützt. “Wir hassen teuer.” Zeigt, dass nicht nur Migranten Probleme bei der kulturellen Integration haben. “Leistung aus Leidenschaft.” Workaholic oder Lehrer rennen gleich zur Burn-out-Prophylaxe. Im Umgang mit anderen erkennen wir uns selbst. “Ich bin es nicht gewohnt, dass mich der Zufall blind waltend, finster herrschend mit sich führe”. Auch Schiller. “Mehr als quatschen konnte der auch nicht. Schon mal arbeitslos gewesen?” Ja, mehrfach. “Hartz IV” gekriegt? Nein, soviel nicht.
Lernen wir also Verantwortung zu übernehmen,
uns zu motivieren, indem wir von anderen lernen. Natürlich hingucken vorher. Auch beobachten will gelernt sein. “Der Pfad der Gerechten ist zu beiden Seiten gesäumt mit Freveleien der Selbstsüchtigen und der Tyrannei böser Männer?” Hezekiel 25,17 Aber:
Wann wird Selbstsucht zum Krankheitsrisiko? Ersticken Sie nicht in Beliebigkeiten und Selbstzweifeln. Helfen auch Sie mit. Schenken Sie sich mehr Zielgenauigkeit. (Außerdem: Indem Sie es verfehlen lernen, erfährt man eher was es ist. Ausschlussprinzip.) Scheitern gilt in besseren Kreisen bereits als Kunstausstellung“.
“Elefant, Tiger & Co.”
Kennt jedes Kind. (Sächselnde Pfleger und überhaupt den Zoo.) Friedrich (Schon wieder?) Nietzsche gewann vermutlich da seine anthropologische Idee von ertragenden Kamel, wilden Löwen bis hin zum aufrecht gehenden Menschen. Freilaufende Tiere hingegen gefallen jedem Kind. Sie gewinnen an Attraktivität. Und Würde.
Ästhetische Bildung gilt als Kultur.
Sie ergänzt die Logik der Naturwissenschaft. Passt gut dazu. (Wasn das für ne Logik?) “Es ist der Geist, der sich den Körper baut” heißt es bei Schiller. Im alten Testament. Regt nicht die misslungene Unterrichtsstunde, das bisweilend nervende Arbeits- und folgende Konfliktgespräch – kurz – alles auf, wenn die “Planung” misslang? Exkurs: Posthumer Gruß an Charles Darwin: Neuesten Forschungen folgend sollen sich ja nicht nur unsere Gene kooperativ verhalten. (Da kann man nichts machen. Und wers dann immer noch nicht glaubt, sollte Diskussionen über die Echtheit des Grabtuches Christi führen.) “Mach mit-mach´s nach-mach´s besser!” klingt da schon vielversprechender. Wenn schon zur Kooperation (Freiheit) verurteilt, dann auch richtig. Zielorientiert, motiviert, den Wert des Menschen gegenüber achtend, weil dieser ja auf meinen reagiert. Ihn zu kennen, meinen eigenen zu (be-)achten, macht das Geheimnis gelingender Kommunikation aus. Voraussetzung, um anderen “Stoff” beizubringen.
Planung sollte man nicht überbewerten
Der berühmte russische Schauspiellehrer Stanislawski stellte seinen Studenten immer wieder die selben drei Fragen: Woher kommst du? Wo bist du? Wohin gehst du?
Auch sie kannten die Schwierigkeit der Einfühlung in eine Rolle, wussten sie doch, dass man Planung nicht überbewerten sollte. Spontan richtig entscheiden – wer möchte das nicht? Und das im Moment, und fernab esoterischem Krippenspiels. Nah am Improvisationstheater. Ein grundlegendes Prinzip dort: Abwarten was passiert, frei von “ German Angst”. Freiheit und Spiel bedeuten bei Schiller Emanzipation. Inmitten der natürlichen Umgebung und der natürlichen Grenzen. Lehrpläne, Konzeptionen und Projekte verlangen ein Höchstmaß an Einsatz und Konzentration. Ja, und:
Den Alltag nicht vergessen.
Erschöpfend. Meine Hand für mein Produkt! (Im Mittelalter einfach abgehackt) Wie methodsich sollte man dabei vorgehen? Orientiert man sich am Leben der Anderen, betrachtet Wissen und Fertigkeiten als niemals “fertige” sondern dynamische Größen, handelt man so: Empfängt Dankbarkeit. Erfährt “Selbstwirksamkeit”. Wird in unsicheren Zeiten sicherer.
Anders – denkend – humanistisch.
Das lineare Erlernen und Reproduzieren sogenannter “Techniken” (Kommunikation, Rhetorik, Stimme, Bewegung, Methodik) rettet nicht vor den Sinnfragen und -antworten. Menschen sind keine “Ressourcen”. (Sie kennen außerdem nur die selbst entdeckten) Klar kann ich jemanden anrufen. Doch Netzwerke können auch verwirren, wenn man Einzelinteressen nicht zu erkennen vermag. Konsequent weitergedacht entsteht ein neues Fach, eine neue Disziplin: “Kooperationskunde” – eine angewandte Organisationspsychologie. (Interdisziplinär zu Deutsch, Ethik und Gemeinschaftskunde/Medienerziehung denkbar.)
Wenn Bildung Persönlichkeit findet.
Die ist nun wirklich individuell. Sollte sie sein. Vermittlungstechniken könnten sinnvoll an diesem hohen Anspruch gemessen werden. Es gilt herauszufinden: Was verbindet uns? Was trennt uns? Auch. Kontrolle ist gut – Vertrauen ist besser. Dann kontrolliert es sich anschließend leichter. (Im besten Falle hilft mir die Einschätzung des Teilnehmers über anfängliche Bewertungsunsicherheiten hinweg.
Greifen Sie zu einem bewährten Hausmittel.
Sagen Sie: “Ich wollte nur mal wissen, ob du auch mitdenkst.”) Resultate werden realistischer dargestellt. Es erfolgt die Orientierung am Hier und Jetzt. Beste Möglichkeit, Zukunft bewusst zu gestalten. Machen wir uns auf den Weg. Konsequent humanistisch.
Und: Wer hat´s erfunden?
Streiten mit Kultur. Demokratie existiert in Strukturen – wir sind der “Stoff”. Ohne uns geht gar nichts. “Üben” wir deshalb das Argumentieren, Überzeugen, Kritisieren und den konstruktiven Vorschlag. Lassen wir den Besten gewinnen. Der erkämpfte Erfolg macht ihn umso wertvoller. Nach dem Spiel war vor dem Spiel. (Auch wieder Schiller?)
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